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Kirche

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Das Pfarrhaus

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Aus der Geschichte der Kirchgemeinde und der Kirche Dorf

Mit der Beendigung der Kirchenrenovation auf das Ende des Jahres 1967 ist auch die Gelegenheit zu einem Rückblick in die Kirchengeschichte unseres Dorfes gegeben, soweit diese sich überhaupt verfolgen und belegen lässt. Wir haben auch die neuesten Erkenntnisse, vor allem in bauhistorischer Hinsicht berücksichtigt, obwohl die Ergebnisse der Untersuchungen der kantonalen Denkmalpflege noch nicht endgültig abgeschlossen werden konnten. Wir danken an dieser Stelle besonders Herrn Dr. W. Drack für die bereitwillig zur Verfügung gestellten Unterlagen.

Aus vorchristlicher Zeit liegen aus der Gegend der Gemeinde Dorf keine, oder nur sehr spärliche Zeugen menschlicher Besiedelung vor. Umso wertvoller und interessanter sind daher die Funde, die während der Notgrabung im Spätherbst 1966 gemacht wurden. Vor allem an zwei Stellen in der Südwestecke des Chores und an der Südwand des heutigen Kirchenschiffes wurden zahlreiche Scherben zutage gefördert, die mit aller Wahrscheinlichkeit aus der jüngeren Bronzezeit stammen.

Für die Gegend im weiten Umkreis des untersten Thurabschnittes entstand das erste Gotteshaus in Andelfingen. Der Zeitpunkt, zu dem diese Kirche erstellt wurde, lässt sich nicht eruieren, doch steht fest, dass es sich um eine Tochterkirche der Bergkirche St. Niklaus zu Rheinau gehandelt haben muss. Sie wird erstmals im Jahre 1260 im Zusammenhang mit der Verleihung eines Zehntens an das Kloster Töss genannt.

Die Randgemeinden der Pfarrei Andelfingen erhielten, nicht zuletzt wegen der bedeutenden Entfernungen, schon bald eigene Kapellen und damit Gelegenheit, im Ort selber Gottesdienst und Messe zu feiern. Das Einkommen- und Abgabenregister von Konstanz, Markenbuch genannt und aus der Zeit von 1360 - 1370 stammend, erwähnt erstmals die fünf Kapellen der Pfarrei Andelfingen, darunter auch diejenige von Dorf. Wiederum sind es die Ausgrabungen von 1966, die uns über die Ausmasse der damaligen Kapelle Auskunft geben, denn die Fundamente dieses romanischen Baues konnten teilweise freigelegt und auch ergänzt werden. Anlässlich eines späteren Umbaues, verbunden mit einer Vergrösserung der Kapelle, wurden die Mauern abgebrochen und teilweise als Baumaterial für das neue Bauwerk wieder verwendet. So fanden sich zum Beispiel Bruchstücke des romanischen Chorbogens im Fundament der Nordwand des Chores und in demjenigen des gotischen Altars. Zu letzterem sind wohl auch die beiden Nischen in der südöstlichen und nördlichen Chorwand in Zusammenhang zu bringen. Während die erstgenannte nur noch andeutungsweise zu erkennen war, zeigt die Nische in der Nordwand beträchtliche Ausmasse und dürfte vielleicht zur Aufbewahrung verschiedener Kultgeräte gedient haben. Sie konnte mit einer neuen Einfassung versehen werden und dient in Anlehnung an ihren ursprünglichen Zweck nun zur Aufbewahrung der zu Anlass der Renovation gespendeten Taufwasserkanne.

Zur Zeit der Reformation wurde die Kapelle, die St. Petrus zum Patron hatte, ihrer Verwendung enthoben. Sie diente als Vorratsraum und Schuppen für landwirtschaftliche Geräte. 1580 stellten die Einwohner von Dorf die Kapelle wieder in guten Zustand. Der Weg zur Pfarrkirche Andelfingen war ihnen zu weit geworden, sie wünschten, dass fortan auch in ihrer Kapelle wieder Gottesdienst gehalten werde. Auch eine farbige Scheibe wurde zum Schmucke des Gotteshauses bestellt, und auf Ansuchen der Gemeinde schenkten die Stadt Winterthur (Dekanat) und die Herrschaft Andelfingen ebenfalls ein Glasgemälde in Form einer Wappenscheibe.

Der Pfarrer von Flaach, Johannes Jud, Sohn des bekannten Leo Jud, Pfarrer am St. Peter zu Zürich, erklärte sich bereit, in der neu eröffneten Kapelle in Dorf den sonntäglichen Gottesdienst zu halten. Erstmals predigte er am Sonntag, den 5. Juni 1580. Für seinen Dienst erhielt Pfarrer Jud von der Gemeinde jährlich zehn Gulden und von der Obrigkeit aus dem Amt Töss den gleichen Betrag. Sein Nachfolger, sein gleichnamiger Sohn, predigte vermutlich ebenfalls in Dorf. Pfarrer Wilhelm Diebold müssen schwere Zeiten beschieden gewesen sein, wütete doch während seiner Amtszeit in Flaach und Dorf die Pest. Das Taufbuch der Kirchgemeinde Andelfingen berichtet, dass vom August 1629 bis Ende Mai 1630 in Dorf 82, in der ganzen Kirchgemeinde Andelfingen insgesamt 419 Personen dieser unheimlichen Krankheit zum Opfer fielen.

Noch lange aber ging der Wunsch der Gemeinde, eine eigene Pfarrei zu werden, nicht in Erfüllung. Erst 1637 gelangte Dorf ans ersehnte Ziel, als nämlich das Schloss Goldenberg in den Besitz der wohlhabenden Familie Schmid kam.

Hauptmann Kaspar Schmid, ältester Sohn des 1638 verstorbenen ersten Schlossherrn aus diesem Geschlecht, Oberst Hans Kaspar Schmid und der Elisabeth, geb. Blarer von Warthensee, stiftete im Jahre 1658 mit Beiträgen der Gemeinde eine eigene Pfarrpfrund und anfangs 1662 wurde der Gemeinde vom Rat in Zürich ein eigener Prädikant bewilligt

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Zu Pfingsten 18. Mai 1662, feierte die Gemeinde erstmals das Abendmahl in der eigenen Kirche. Der erste gewählte Pfarrer der Gemeinde, Pelagius Freihofer, verliess Dorf bereits 1665, und an seine Stelle trat Felix Rollenbutz, der 1689 nach Hettlingen zog. Sein Nachfolger, Hans Rudolf Ulrich verstarb im Jahre 1701 im Alter von nur 47 Jahren. Eine einfache Gedenktafel an der äusseren Nordostwand des Chores erinnert an Pfarrer Ulrich, in dessen Amtszeit anno 1697 die Errichtung des Pfarrhauses fällt. Die Kirchgenossen steuerten an diesen Bau den schönen Betrag von über 1000 Gulden bei. Aber auch das Kirchenschiff wurde zu jener Zeit vergrössert, wie dies aus dem beigefügten Bauetappenplan ersichtlich ist.

Die völlige Lostrennung von der Pfarrei Andelfingen erfolgte durch den Auskaufsvertrag vom 16. Januar 1699. Andelfingen hatte an Dorf den Betrag von 400 Pfund zu entrichten. Zudem erhielt die Gemeinde noch 10 Gulden und verzichtete damit auf jedes Anrecht am Kirchen- und Armengut Andelfingen. Der Auskaufsvertrag enthält seitens der Kirchgemeinde Dorf die Unterschriften von Pfarrer Ulrich, den beiden geschworenen Dorfmeiern Konrad Müller und Konrad Bucher, Zehntenmann, und diejenige des Ehegaumers Hans Wegmann. Dorf ging von nun an seine eigenen Wege.

Mit dem Verkauf der Wappenscheiben anno 1875 wurde ein weiterer, bemerkenswerter Abschnitt in der Baugeschichte der Kirche Dorf in die Wege geleitet, dessen hauptsächlichstes Merkmal wiederum entscheidende bauliche Veränderungen waren, so vorab der Bau eines neuen, grösseren Turmes in welchem drei Glocken ihren Platz fanden, anstelle des damaligen Dachreiterchens. Das Kircheninnere wurde, den damaligen Gepflogenheiten entsprechend, mit Schablonenmalereien geschmückt. Glasmaler Roettinger aus Zürich besorgte die Neuverglasung der Fenster. Seiner Fantasie entsprang wohl auch eine neue Version des Gemeindewappens, das als Schildchen im obersten Teil des Chorfenster zu sehen war: in Weiss zwei gekreuzte rote Schlüssel. Der eiserne Ofen, der die Kirche nur ungenügend zu erwärmen vermochte, wurde durch eine Warmluftheizung ersetzt. Eine weitere Innenrenovation erfolgte kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Sie brachte keine wesentlichen Veränderungen, mit Ausnahme einer neuen Heizanlage. Seltsamerweise war es gerade wieder die letztere, welche den Hauptanstoss zur nun vollendeten Renovation gab.

Willi Schneider

Quellen:

Dr. E. Stauber: Chronik der Kirchgemeinde Andelfingen Prof. Dr. F. Hegi: Glasgemälde und Wappen zürcherischer Gemeinden Etappenplan: Kant. Amt für Denkmalpflege

Vom Architekten

Der sich an kirchlichen Planungen und Projektierungen beteiligt, wird eine Haltung der Dienstbereit-schaft verlangt. Bei der Restauration einer Landkirche, wie im Falle der Kirche Dorf, ist ihm die Aufgabe in sehr wesentlichen Teilen ziemlich genau umrissen gestellt. Der Standort ist durch das alte Gemäuer in allen Teilen fixiert. Der gegebene bauliche Rahmen in dieser ganz bäuerlichen Gemeinde ist auch für die Zukunft eine sich wohl sehr langsam wandelnde und somit als fest zu bezeichnende Grundlage.

Einerseits erkannte ich in manchem Gespräch mit dem Kirchen- oder Gemeindepräsidenten im Weinberg oder auf dem Acker das Traditionelle, im Guten der Scholle Verankerte. Anderseits zeigte sich bei Versammlungen der Kommission vor der Kirche das sich Wandelnde; die Mitglieder erschienen zu Fuss, mit Fahrrad, Moped, Traktor oder Auto. Der Hund als Begleiter des Bauern, dies Bild ist beinahe verschwunden. Tief beeindruckte die ursprüngliche, echte Urteilskraft der mit uns zusammenarbeitenden Dorfbewohner. Aus der Zusammenarbeit entstand eine Anteilnahme des ganzen Dorfes, die sich deutlich darin äusserte, dass trotz heftigen Regens beim Abbruch und Wiederaufbau des Turmes eine stattliche Zahl von Schaulustigen unter den Dachvorsprüngen der umliegenden Häuser gedrängt stand. Sie zeigte sich noch eindrücklicher, als ich bei einem Baubesuch in eine sehr lebendige Diskussion der Dorfschüler mit ihrem Lehrer und Herrn Bruppacher über die eben eingesetzten Fenster dazukam.

Die schöne, aber auch schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe der Restauration wurde durch das Vertrauen und die Freundschaft, die den Grundton aller Baudiskussionen mit den Gemeindevertretern bildeten. Unser herzlicher Dank dafür ist verbunden mit dem Wunsche, die Kirche möge im neuen Kleide der ganzen Gemeinde dienen als Ort der Sammlung, des Trostes und der Freude in Einigkeit!

H. Bremi
Architekturbüro
Bosshardt, Bremi, Steiner

 
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